“Kaa Brick ohne Schmick” - Erbauung 1868/69 und
Neubau 1911/12

Die von Bürgern der Stadt Frankfurt gegründete “Gesellschaft zur Erbauung einer Eisernen Brücke” übernahm die Planung, den Bau und die Finanzierung des Eisernen Steges. Die Baukosten hat man mit 120.000 Gulden festgelegt. Die Finanzierung der Kosten über verzinsliche Anteilscheine  erwies sich als äußerst erfolgreich. Binnen kurzer Zeit waren sämtliche Anteilscheine vergriffen. Das eingesetzte Kapital sollte sich nach 20 Jahren durch die Einnahmen einer Brückenbenutzungsgebühr amortisiert haben. Danach sollte der Eiserne Steg in das Eigentum der Stadt Frankfurt übergehen.
Mit der Ausarbeitung des Entwurfes hat die Gesellschaft den Ingenieur Johann Peter Wilhelm Schmick beauftragt, der auch die Bauleitung übernahm. Die Frankfurter Bevölkerung verfolgte die Bauarbeiten mit grosser Aufmerksamkeit, zumal viele Bürger, angesichts der gezeichneten Anteilscheine, ein finanzielles Interesse an der Fertigstellung hatten.
Es bürgerte sich geradezu ein, an den Sonntagen am Main zu spazieren und die Bauarbeiten kritisch in Augenschein zu nehmen. Nach einer knapp zweijährigen Bauzeit wurde der Eiserne Steg am
29. September 1869 feierlich eröffnet. Die Frankfurter Zeitung zitiert den damaligen Oberbürgermeister Mumm in ihrer Ausgabe:
“Hoffen wir, dass diesem Baue noch manches öffentliche Werk folgen werde, hervorgehend aus dem Schoße des Bürgerthums, dem allgemeinen Besten gewidmet, unserer Stadt zur Zierde und zur Ehre.”
Weiter schreibt damals die Frankfurter Zeitung:
“Lauter Beifall ward von allen Seiten den patriotischen Bemühungen der Gründer des Bauwerks und dem Talente des Erbauers Herrn Ingenieurs Schmick, das sich hier wieder in ausgezeichnetster Weise bewährt hat.”
In den Jahren 1874 und 1878 baute der Bauingenieur Schmick noch die Untermainbrücke und die Obermainbrücke, woraufhin sich folgender Spruch im Volksmund etablierte: “Kaa Brick ohne Schmick”.
Obwohl die Überquerung des Eisernen Steges zunächst kostenpflichtig war, erfreute sich das neue Bauwerk auf Anhieb grosser Beliebtheit. Schon in den ersten drei Monaten zählte man 260.788 Brückengänger, was bei der damaligen Einwohnerzahl von 75.000 schon sehr beträchtlich ist. Der Bau hat sich drei Jahre früher als angenommen amortisiert und der Eiserne Steg konnte bereits am 1. Januar 1886 in den Besitz der Stadt übergehen.

In seiner nunmehr über 130 jährigen bewegten Geschichte hat der Eiserne Steg so manche Operation über sich ergehen lassen müssen.
Mit dem Ausbau der Mainhäfen in Frankfurt und Offenbach um die Jahrhundertwende wurden die Umschlagmengen in der Binnenschiffahrt vervielfacht.
Die grossen Rheinschiffe lösten die Mainkähne ab. Die geringe Durchfahrtshöhe des Eisernen Stegs erwies sich immer mehr als Schiffahrtshindernis. Um den wirtschaftlichen Aufschwung der Region nicht zu gefährden, entschloss man sich zu einer Höherlegung der Brücke. Aufgeheizt wurde die Debatte um eine Höherlegung durch den Unfall des Kohlenschiffes “Walhalla” auf ihrem Weg nach Mainz, das beim Passieren des Eisernen Steges an dessen Unterkante steckenblieb.
Neben einer Höherlegung beschloss die Stadt auch eine Verbreiterung und Verstärkung des Steges. Dies kam einer Neukonstruktion gleich. Doch man hatte die liebgewonnene Form beibehalten. Während noch die alte Konstruktion aus vier Brückenteilen bestand, besteht die neue Fachwerkkonstruktion aus drei Brückenteilen. Gleichzeitig wurde die Gesamtbreite des Überbaus auf 6,0 m vergrößert. Eine heftige öffentliche Diskussion setzte über den beabsichtigen Verzicht der beiden spätgotischen Filialen (erbaut 1871) auf den Flußpfeilern ein. Doch trotz der hartnäckigen Proteste verzichtete die Stadt bei dem Neubau von 1911/1912 auf die Neuerrichtung der Schmucktürmchen.

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